Eppendorfer Bürgerverein von 1875 
Leben im Stadtteil mit Charme    

Wo bitte geht’s zum nächsten WC? - Fünf Jahre Toilettengeschichte in Hamburg

Ortsfremde, die in Eppendorf ein öffentliches stilles Örtchen suchen, haben schlechte Karten. So gibt es an den Haltestellen Kellinghusenstraße, Lattenkamp und Eppendorfer Marktplatz Einrichtungen, die schlecht bzw. gar nicht ausgeschildert sind. Seit über fünf Jahren fordern Seniorenbeirat, Regionalpolitiker und Eppendorfer Bürgerverein deshalb eine klare, einheitliche Ausschilderung der öffentlichen WCs – bisher vergeblich. Schließlich läuft nicht jede/r Eppendorf-Besucher*in mit Handy und einer Toiletten-App herum, sondern sucht bei innerem Druck eine schnelle, befreiende Lösung. Unser Stadtteil ist nur ein Beispiel; entsprechende Hinweisschilder fehlen in ganz Hamburg.

Ein Rückblick
Vom 1.1.14 bis 1.7.15 hat die Behörde für Umwelt und Energie BUE (damals noch BSU) alle 215 öffentlichen Toiletten erfasst, die in einer Datenbank aufgenommen wurden. Die verschiedenen Datensätze (Finanzbehörde, Hamburg.de, Stadtreinigung und andere) werden aufeinander abgestimmt. Am 2.7.15 legt der Senat einen Gutachterbericht­ mit den Ergebnissen vor.

Unterdessen sind auch Bezirkspolitiker*innen – nicht nur in – Hamburg-Nord und Beiräte aktiv geworden.

So fordert am 7. Januar 2015 der Seniorenbeirat Hamburg-Nord 

  • eindeutige Ausschilderung der öffentlich zugänglichen Toiletten
  • Überprüfung, welche bereits bestehenden Toilettenanlagen in Gebäuden öffentlich zugänglich gemacht werden können
  • Veröffentlichung der Standorte (in Broschüren, Flyern, aber auch per App)
  • Überprüfung, die Nette Toilette einzuführen
  • Information, ob die Toilette barrierefrei ist

Die Bezirksversammlung Hamburg-Nord (Hauptausschuss) unterstützt am 2. Juni 2015 diese Forderungen (Drs.20-1478)
Vor allem

  • Ausschilderung
  • Online-Verzeichnis
  • und die Bereitstellung von Toiletten in öffentlichen Gebäuden.

Zum 1.1.17 überträgt die BUE die Zuständigkeit für 162 öffentlichen Toiletten auf die Stadtreinigung (SRHH). Gleichzeitig gibt die Umweltbehörde dem Unternehmen den Auftrag, ein Toiletten-Wegweiser-Konzept zu erstellen. Mit den öffentlichen Betrieben, Behörden und Bezirken laufen Gespräche, wie eine einheitliche Ausschilderung aussehen könnte. Die SRHH entwickelt einen digitalen Toilettenfinder auf Google Maps Basis, der jedoch zunächst nur die Toiletten der Stadtreinigung widerspiegelt. War der Auftrag ein Griff ins WC? 12 Monate später entzieht die BUE der Stadtreinigung den Auftrag für ein Gesamtkonzept wieder, übernimmt selbst die Federführung. Nacheinander sollen zwei Beraterfirmen Handlungsvorschläge entwickeln.

 Im Halbjahres-Takt fragt der „Eppendorfer Bürgerverein“ den aktuellen Stand der Planungen für klare Toiletten-Schilder ab. Immer wieder werden wir vertröstet.

 Am 12. Februar 2019 schickt die BUE folgende Antwort:

"Das Toilettenportal befindet sich noch im Aufbau. Bisher haben wir erreicht, dass die Daten aller 127 Stadtreinigungs-Toiletten über eine Schnittstelle angesteuert werden können. Vieles funktioniert bereits, manches aber auch noch nicht. Neben den datentechnischen Raffinessen ist es unser Ziel, auch die Toiletten außerhalb des Zuständigkeitsbereiches der Stadtreinigung (z.B. HafenCity, HPA, DB) in dem Portal einzubinden. …

Was die Ausschilderung betrifft, ist die Stadtreinigung dabei, zusammen mit der Verkehrsbehörde, den Bezirksämtern, dem neuen Kompetenzzentrum Barrierefreies Hamburg, Tourismus GmbH, HafenCity GmbH, Hochbahn, HVV und vielen anderen ein Konzept zu entwickeln, das dann zusammen mit dem Toilettenportal vorgestellt werden soll. Zum genauen Zeitpunkt, wann das sein wird, lässt sich im Moment nichts sagen.“

Am 19. September 2019 beschäftigt sich die Bezirksversammlung Hamburg-Nord erneut mit Entsorgungsproblem (Drs. 21-0305)
Sie bittet– wie bereits vier Jahre zuvor - um Sachstand, vor allem bezogen auf

  • Ausschilderung
  • Online-Verzeichnis
  • Toiletten in öffentlichen Gebäuden
  • Barrierefreiheit

Die Abgeordneten bemängeln: „Weder die gut auffindbare Ausschilderung noch ein vollständiges Verzeichnis öffentlicher Toiletten sind bisher gegeben: … Auch die Funktionalität des Toilettenfinders der Stadtreinigung lässt sehr zu wünschen übrig.“ Eine Antwort aus der BUE steht bisher aus. „Die Landesbehörde“, so kritisiert ein Mitglied, „agiert wie eine nicht aus der Ruhe zu bringende Schnecke“.

 Stattdessen antwortet am 9. Oktober 2019 die BUE-Pressestelle dem EBV:
„Der Stand ist, dass wir wahrscheinlich zum Ende des Jahres den finalen Bericht vorliegen haben werden, der dann auch ins Transparenzportal eingestellt werden soll. Bis dahin müssten Sie, stellvertretend für den Deutschen Sozialverband, sich noch gedulden.“

Bis heute fehlt – nicht nur – in Eppendorf die Ausschilderung der Örtchen. Bedeutet „Ende des Jahres“ evtl. den Übergang 2020/ 2021? Die „Nette Toilette“ ist in Hamburg-Nord noch ein Fremdwort. Beschlüsse für informative Schilder liegen seit fünf Jahren auf dem Tisch. Wann es wegweisende Entscheidungen gibt, steht in den Sternen.

 

Text und Bilder: Hans Loose - 05. März 2020