Eppendorfer Bürgerverein von 1875 
Leben im Stadtteil mit Charme    

Barrierefreies Bezirksamt Hamburg-Nord 

„Michael Werner-Boelz, bitte machen Sie das Projekt zur Chefsache!“

Mit diesem Appell haben sich am 18. August 2020 mehrere Institutionen (siehe rechts) an  den Leiter des Bezirksamts Hamburg-Nord gewandt.

Ihre Bitten:

  • Als ersten Schritt lassen Sie die erarbeiteten Pläne im Internet veröffentlichen!
  • Neben dem Inklusionsbeirat sollte umgehend auch der Seniorenbeirat in die Planung einbezogen werden, was bisher versäumt wurde.
  • Setzen Sie sich dafür ein, dass zumindest die erste Bauphase umgehend erfolgt! 

Unterzeichnerinnen und Unterzeichner:
Werner Hansen, Bezirks-Seniorenbeirat Nord, Kümmellstraße 7, 
20249 Hamburg 

Alexander Ebert, Barrierefreies Hamburg e.V., Michaelisstraße 20, 20459 Hamburg 

Peter Drews, Bund der Schwerhörigen e. V., Wagnerstr 42, 
22081 Hamburg 

Ulrike Zeising, Kommunal-Verein von 1889 in Groß- Borstel, Brückwiesenstraße 17, 22453 Hamburg 

Brigitte Schildt, Eppendorfer Bürgerverein von 1875, Schedestraße 2, 22303 Hamburg 

Klaus Kolb, Quartiersnetzwerk martini·erleben, Martinistraße 44a, 
20251 Hamburg 

Pastor Ulrich Thomas, St. Martinus Eppendorf, Tarpenbekstr. 110, 
20251 Hamburg 


Zum Hintergrund:

Seit fünf Jahren werden Ideen für ein inklusives Bezirksamt in Kommunalpolitik und Bezirksverwaltung diskutiert. Die Bezirksversammlung konkretisierte bereits am 16.6.2016:
Zunächst sollen das Haupthaus Kümmellstraße sowie drei Nebengebäude mit barrierefreien Orientierungs-Systemen ausgestattet werden. 
Ziel der Maßnahmen ist es, Menschen mit Handicap zu ermöglichen, sich ohne fremde Hilfe in den vier Gebäuden zurechtzufinden. Alexander Ebert vom „Verein Barrierefreies Hamburg“ gehört zu den Initiatoren: „Im Sinne der Inklusion gilt Barrierefreiheit auch für Menschen ohne Handicap, also für jede Besucherin und jeden Besucher.“

Ende 2018 wurde eine Pilotfläche vor dem Großen Saal/Standesamt eingerichtet. Die weitere Umsetzung ruht. Im Sommer des vergangenen Jahres hat die Finanzbehörde aus ihrem Quartiersfonds 406.000 Euro bewilligt, damit zunächst der Eingangsbereich Kümmellstraße umgestaltet werden kann. Ziel ist eine komplette Neugestaltung des Haupteingangs zu einem „Eingang für alle“. Ein „erster wichtiger Grundbaustein des Gesamtprojektes“, so die Pressestelle des Bezirksamtes. Vorausgegangen waren intensive Diskussionen mit den Behindertenverbänden. Die geplante Präsentation der Pläne im März 2020 wurde wegen Corona abgesagt.

Der Bezirksamtsleiter reagiert

Die Antwort von Werner-Boelz auf den Appell folgte nach wenigen Stunden: „Jede bauliche Veränderung muss mit dem Denkmalschutzamt abgestimmt werden“. Der Bezirksamtsleiter weiter: „Es gestaltet sich nicht einfach, die Notwendigkeiten der Barrierefreiheit mit den Interessen des Denkmalschutzes unter einen Hut zu bekommen. Leider können wir keine aktuelle Planung öffentlich präsentieren, da diese eben erneut überarbeitet wird.“ Eine freundliche Antwort, die jedoch mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet hat. 

  • Seit wann ist der Denkmalschutz an den Planungen beteiligt?
  • Ist evtl. das Gesamtkonzept betroffen?
  • Worin liegen diese Probleme? (wenn möglich, nennen Sie mir bitte drei Beispiele!)
  • Wie ist die Zeitplanung aus Ihrer Sicht? 

Fragen, die wir an die für die Denkmalschutz zuständige Kulturbehörde gestellt haben. Deren Pressestelle schweigt und verweist wiederum an das Bezirksamt. Pressesprecherin Larissa Robitzsch räumt ein, dass das Denkmalschutzamt bereits im Rahmen des Gesamtprojekts beteiligt war: insbesondere bei der Entwicklung und Gestaltung von inklusiver Pilotfläche und Haupteingang. Problem sei, die verschiedenen Interessenslagen in einem denkmalgeschützten Objekt auf einander abzustimmen. Robitzsch weiter:Konkret geht es zum Beispiel … um den Teilerhalt der das Denkmal prägenden Treppenanlage.“

Zur Zeitplanung erklärt die Sprecherin des Amtes, „dass wir heute leider noch nicht mitteilen können, wann wir ausschreiben und weiterführend anfangen können zu bauen.“ Immerhin sind Haushaltsmittel geblockt, so Robitzsch, um das Vorhaben umzusetzen.

Zwei Kommentare

Weshalb das Hauptgebäude des Bezirksamts Hamburg-Nord dem Denkmalschutz unterliegt, erschließt sich dem Vorsitzenden des Seniorenbeirats Nord nicht. Werner Hansen beklagt, dass der Schutz des Gebäudes seit Jahren den barrierefreien Umbau des Bezirksamts verhindere: Mir geht es nicht nur um die behinderten Mitbürger oder Eltern mit Kinderwagen, sondern auch um Senioren, die immerhin ein Viertel der Bevölkerung ausmachen. Hansen hat in der Vergangenheit mehrmals in Bezirksversammlung und im Sozialausschuss an den nötigen Umbau erinnert. Nun zieht er einen Vergleich zum Bau von Elbphilharmonie und Berliner Flughafen: „Es ist ein Trugschluss zu meinen, dass lange Reifezeit (Planungszeit) immer etwas mit der dadurch entstehenden Güte zu tun hat.“

Unterdessen ist Alexander Ebert (Verein Barrierefreies Hamburg) verwirrt: Zum einen soll das Denkmalschutzamt von Beginn an am Umbau-Prozess beteiligt sein. Zum anderen kann die Verwaltung weder im März 2020 noch heute aktuelle Pläne präsentieren, da diese angeblich auf Betreiben des Denkmalschutzes erneut überarbeitet werden müssen. Ebert: „Wenn sich die Sachlage seit Beginn nicht geändert hat und der Denkmalschutz das Projekt von Anfang an begleitet, stellt sich die Frage: Gibt es ‚alternative Fakten‘ oder eine neue Agenda durch die Grün geführte Bezirksamtsleitung?“

Bilder und Text: Hans Loose - 31. August 2020