Eppendorfer Bürgerverein von 1875
Leben im Stadtteil mit Charme

Grenzgänger seit 30 Jahren

Im GrenzgangIm Grenzgang

Wir treffen Wolf-Rüdiger Wendt vor der Anscharhöhe, nahe der Tarpenbekstraße. Seit 1989 ist der frühere Vermessungsingenieur auf den Spuren der alten Hamburgisch-Dänischen Grenze. 450 Steine haben er und seine Mitstreiter bereits erfasst; teilweise mussten sie sie freilegen oder durch Neuschöpfungen ersetzen. Wendt kennt sie alle: die historischen Denkmäler vom Ochsenzoll bis hin zum Eimsbütteler Marktplatz. Bevor wir über das Gelände gehen, führt der 77-jährige uns hinter einige der schmucken Stiftwohnungen an der Kösterstraße. Durch einen schmalen, ca. 1,15 cm breiten, gut erhaltenen sog. „Grenzgang“ gelangen wir zu ersten Steinen, die den Grenzverlauf in Richtung Norden markieren. 

 

Dänischer Grenzstein

Grenzstein Nr. 13 steht  keine 50 Meter entfernt – sehr erhaben und seit 1785 fast genau an dieser Stelle. „HP bedeutet Herrschaft Pinneberg“, erklärt Hobby-Historiker Wendt. „C7 heißt Christian, der 7. C7 wurde später durch FR VI, also Frederic Rex, der 6., umgeschlagen.“

I. ZumbroichI. Zumbroich

Wir schreiten weiter über das Gelände, vorbei an weiteren Grenzmarken in Richtung Osterfeldstraße, Christoph-Probst-Weg und UKE. Immer wieder fordert uns Wolf-Rüdiger Wendt auf,  hinter Mauern zu schauen und bodendeckendes Efeu beiseite zu schieben: Wir erkennen den früheren, gezackten Grenzverlauf. An der Kegelhofstraße - hinter einem Mehrfamilienhaus - zeigt uns Kollege Ingo Zumbroich zwei weitere Steine, von deren Existenz wahrscheinlich kaum jemand weiß. Später stehen wir vor dem UKE Campus. 

Historische Karte

Dort präsentieren die Forscher mit Unterstützung des Denkmalschutzamts seit ein paar Wochen Erinnerungsstück Nr. 62 (Baujahr 1910) sowie eine vom UKE gestiftete Gedenktafel. Die Bedeutung von HP hat sich im Lauf der Jahre verändert. Wolf-Rüdiger Wendt gibt uns einen Schnellkurs in Hamburgischer Geschichte: „Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg wurde das Herzogtum Holstein in den preußischen Staat eingegliedert.“ Dadurch wurde diese Grenze, an die dort noch eine Mauer erinnert, zu einer Grenze zwischen dem preußischem Lokstedt und dem Hamburger Ortsteil Eppendorf. HP heißt daher seit 1864 Hamburg/Preußen. 

Erst durch das „Groß-Hamburg-Gesetz” vom 1. April 1937 gelangten neben den Städten Altona und Wandsbek zahlreiche preußische Gemeinden, unter anderem auch Lokstedt, zur Freien und Hansestadt Hamburg. Die Grenze zwischen Lokstedt und Eppendorf wurde parallel zur Frickestraße um ca. 100 Meter gen Westen verschoben. Sie führt jetzt durch die Münsterstraße. Gut für einige aktive Mitglieder des Eppendorfer Bürgervereins: vor hundert Jahren hätten sie noch außerhalb der Stadt gewohnt…

H-H. Homann, I.Zumbroich, W.-R. WendtH-H. Homann, I.Zumbroich, W.-R. Wendt

 „Steinlaus“ Wendt steht in engem Austausch mit dem Denkmalschutzamt. Wie jedes Jahr sucht er auch in diesem Dezember das Büro des Denkmalschutzamtes auf. Er berichtet von geretteten, beschädigten und verschwundenen Grenzsteinen, alles fein säuberlich notiert und für die Internet-Nutzung digitalisiert. Im Gepäck hat er diesmal ein historisches Relikt aus der Straße Diekbarg in Lemsahl, natürlich wie üblich fotografiert und sorgfältig beschrieben.

Im Frühjahr werden die Stein-Fachleute für Interessierte einen Gang durch Eppendorf anbieten, auf der alten Grenzlinie. Wir werden frühzeitig über den „Eppendorfer“, Facebook und unseren Newsletter einladen.

Grenzsteine als kleine grüne Rauten auf einer Karte im Internet.

Bilder und Text: Hans-Helmut Homann & Hans Loose