Eppendorfer Bürgerverein von 1875 
Leben im Stadtteil mit Charme    

 

Der Andreasbrunnen in „Bad“ Eppendorf 

Der Der "Andreasbrunnen" um 1830

Die „Selterswasserbude“ von Eppendorf – nein, in Bad Oldesloe war man gar nicht gut auf die neue Konkurrenz zu sprechen. 1824 hatte der Hamburger Weinhändler Andreas Knauer auf seinem Sommersitz an der Eppendorfer Landstraße eine „Trinkanstalt“ eröffnet, den Andreasbrunnen. Von Anfang an kamen viele Gäste. Damals reiste man noch per Pferdekutsche, das war kostspielig und unbequem, deshalb erwies sich die Nähe zur Hansestadt als großer Vorteil. Ebenso wichtig war aber, dass Knauer nicht kleckerte, sondern klotzte. Er zog hier einen Kurbetrieb der Luxusklasse auf. Das Angebot an Heilwässern war groß: Marienbader Kreuzbrunnen, Karlsbader Sprudel, Pyrmonter Oberbrunnen und mehr. Die Heilungssuchenden konnten zwischen 11 verschiedenen „Brunnen“ (Mineralwasser-Sorten) wählen. Ihnen standen 110 komfortable Zimmer zur Verfügung, es gab Gartenwohnungen für ganze Familien. Später kam noch ein Konversationshaus dazu. Natürlich sprudelten die Wässer nicht aus heilsamen Quellen auf dem Grundstück, sondern wurden künstlich aufbereitet – insofern lagen die Bad Oldesloer mit ihrer despektierlichen Bezeichnung nicht ganz falsch.

Einlasskarte 1844Einlasskarte 1844

Der Andreasbrunnen war nicht nur für Kranke attraktiv. Er war ganz allgemein ein beliebtes Ausflugsziel für wohlhabende Hamburger, insbesondere an Wochenenden war hier mächtig was los. Das Hauptgebäude beherbergte im 1. Stock große Säle für Vergnügungen sowie Billard- und Lesezimmer. Im Garten, der bis an den Isebek reichte, waren prächtige Promenadenwege und Alleen angelegt. Morgens spielte ein Kurorchester und eine Gastwirtschaft mit exzellentem Essen und vorzüglichem Weinangebot sorgte für angenehmste Stimmung. An lauen Sommerabenden gab es Korsofahrten mit erleuchteten Gondeln auf der Alster. Ein Portier in grüner Jägeruniform, der stets einen Stab mit goldenem Knauf schwang, begrüßte die Gäste persönlich und sorgte dafür, dass die bessere Gesellschaft unter sich blieb.

 Andreas Knauer konnte sich nicht lange an seinem Gesundbrunnen erfreuen, er starb 1828. Seine Familie führte den Betrieb weiter. Aber mit dem Bau der Eisenbahn sank die Attraktivität. Jetzt fuhr man doch lieber zu den natürlichen Quellen. Als Ausflugslokal blieb der Andreasbrunnen aber noch bis zum Ende der 1870er Jahre beliebt. Am Eppendorfer Baum wurde sogar extra ein Anleger für Alster-Schiffe eingerichtet.

Dann begann die Verwandlung des Dorfes in einen Stadtteil. Das Kurhaus wurde in Mietshäuser umgewandelt, 1910/11 mussten sie Etagenhäusern Platz machen. Heute erinnern ein Gedenkstein an der Ecke Eppendorfer Landstraße / Loogestieg sowie die Straße „Am Andreasbrunnen“ an den einstigen Kurbetrieb. Auch an Andreas Knauer erinnert die Stadt- mit der Knauerstraße. Statt Vergnügen macht man dort nun Schule.

Marion Bauer

  Fotos: Werner Skrentny © Weidlich-Verlag Norderstedt/ M.Bauer  

Quellen:

  • Werner Skrentny, Das Eppendorf Buch, Weidlich Verlag 2013
  • Helmut Alter, Eppendorf Leben und Wohnen im Hamburger Vorort, Verlag Hans Christians, 1976