Eppendorfer Bürgerverein von 1875 
Leben im Stadtteil mit Charme    

Das Holthusenbad: Von der Badeanstalt zur Wellnesstherme

Nicht selten ist die Entwicklungsgeschichte von Institutionen jeglicher Art auch Abziehbild der Gesellschaft. So auch im Falle des 1914 eröffneten Holthusenbades, das zu Beginn noch unter dem Namen Badeanstalt Eppendorf bekannt war. Wie sich unsere Gesellschaft verändert hat, lässt sich mitunter an der Tatsache erkennen, dass Männern und Frauen zunächst getrennte Schwimmhallen zugewiesen wurden. Heute lädt das Holthusenbad regelmäßig zum romantischen Candlelight-Schwimmen mit Kerzenschein und klassischer Musik ein – ohne Geschlechtertrennung versteht sich.

Äußerlich scheint sich der architektonische Prachtbau von Fritz Schumacher nicht sonderlich gewandelt zu haben. Vergleicht man alte schwarz-weiß-Bilder mit dem heutigen Erscheinungsbild, lassen sich nur schwer Unterschiede ausmachen. Hinter den Eingangstüren sieht dies hingegen anders aus: Ein Gast der 1920er Jahre besuchte das Bad oft nicht nur, um seine Bahnen zu schwimmen, sondern auch, um eine der vielen Badewannen zu nutzen, denn Bäder gehörten in vielen Wohnungen noch nicht zur Standardausstattung. 20 Minuten mussten hierfür reichen, bevor das Personal bestimmt an die Kabinentür klopfte. Des Weiteren befanden sich im Gebäude bis in die 1940er Jahre hinein auch noch ein Standesamt und eine Bücherhalle (letztere ist Eppendorf danach leider gänzlich verlorengegangen). Das heute noch bestehende beheizte Außenbecken war nach seiner Fertigstellung 1937 eine wahre Attraktion – ein Novum in Europa.

Die Nationalsozialisten haben den Juden die Bädernutzung in Hamburg und ganz Deutschland verboten. Georg Iggers (1926-2017) zum Beispiel, ein in Eppendorf aufgewachsener und 1938 in die USA emigrierter Historiker, der unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, beschreibt, wie gerne er das Holthusenbad besuchte, bis es ihm als Jude im Herbst 1935 untersagt wurde.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde das Bad nach dem Direktor der Hamburger Wasserwerke in Holthusenbad umbenannt. Der Name war nicht das einzige, was sich veränderte: Zunehmend waren Haushalte moderner ausgestattet und in den 1980er Jahren mussten die letzten Wannen im Erdgeschoss einem Saunabereich weichen. Nun begann der Umbau zu Freizeitbad und Therme. 2017 dann der nächste Meilenstein: Die Saunalandschaft im Obergeschoss wurde im Stil der 1920er Jahre aufwändig umgebaut. Die BesucherInnen können sich nun in der Lichtspielhaus-Sauna einen Kurzfilm anschauen oder in der 100°-Sauna so richtig ins Schwitzen kommen. Da hat man schon mal die Qual der Wahl. Zum neuen Wellness-Profil gehört auch das Angebot diverser Massage- und Beautybehandlungen. Leider blieb aufgrund denkmalgeschützter Teile des Baus die Barrierefreiheit beim Umbau vor der Tür.

Und wie sieht es aus, wenn man „ganz normal“ schwimmen möchte? Im beheizten Außenbereich kann man gut seine Bahnen ziehen, im Innenbereich liegt der Schwerpunkt auf dem Sole- und Wellenbad. Fragt man Tim Bollmeier vom Holthusenbad, was man dort für eine Altersstruktur antrifft, antwortet er mit „bunt gemischt“. Vormittags findet Schwimmen für Schwangere oder Babyschwimmen statt und nachmittags lernen hier ältere Kinder, die sogenannten Pinguine, sich über Wasser zu halten. 

Die Erwachsenen nutzen die Thermen- und Saunalandschaft vorwiegend zur Entspannung. Auf die Frage, was das Holthusenbad einzigartig macht, muss Bollmeier nicht lange überlegen. Ihm gefalle der alte Charme des Bauwerks gepaart mit den modernen Elementen. Diese Besonderheit, die eine kleine Zeitreise in die 1920er Jahre verspricht, wird auch von den Gästen geschätzt..

Julia Schlegel


Bilder: Julia Schlegel, Kirstin Liborius, Bäderland

Quellen:

Hanke, Christian, Eppendorf von A-Z. Das Stadtteillexikon mit Hofeluft-Ost, Hamburg 2001.

https://www.baederland.de/bad/holthusenbad.html (zuletzt abgerufen: 13.012020)

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hamburg_journal/Hamburg-damals-100-Jahre-Holthusenbad,hamj35524.html (zuletzt abgerufen: 10.01.2020).

https://zweiseitendergeschichte.de/georg-iggers (zuletzt abgerufen: 10.01.2020).