Eppendorfer Bürgerverein von 1875
Leben im Stadtteil mit Charme

Olaf Nieß: Die Alster ist sein Revier

Schwanenvater NießSchwanenvater Nieß

Wildschweine vor dem Amerikanischen Konsulat einzufangen, gehört zu den eher seltenen Aufgaben von Olaf Nieß (50). Seit 1996 kreuzt der Schwanenvater in zweiter Generation auf Binnen- und Außenalster. Seine Hauptaufgabe ist die Betreuung der über hundert Alsterschwäne. Angelhaken, Flugunfälle, Hundebisse und der Wohlstandmüll halten ihn auf Trab. Nieß ergänzt: „Ich kümmere mich nicht nur um das Wasserwild, sondern um alles im Bereich von Natur und Umwelt.“ Wenn Wildschweine sich – wie vor fünf Jahren - in Hamburg verlaufen haben, greift er schon mal zum Betäubungsgewehr. 6.000 ha Wasserfläche sind sein Revier. Manchmal wird Olaf Nieß auch in den Hafen gerufen (zu dem die Alster ja eigentlich gehört). Bis zu fünf Mal im Jahr kümmert er sich um verwaiste Heuler. Er nimmt sie behutsam an Bord, lagert sie in einem Becken zwischen und liefert die Seehundbabys anschließend in der Aufzuchtstation Friedrichskoog ab. 

Zusammen mit anderen Dienststellen

An der AlsterschleuseAn der Alsterschleuse

Der Schwanenvater arbeitet eng mit Polizei und Feuerwehr zusammen, z.B. bei der Absicherung von Großveranstaltungen wie dem Triathlon. „Die Kooperation ist aber auch bei kleinen Einsätzen ganz wunderbar“, freut sich Nieß. Unterstützung erhält er von einem Kollegen im Freiwilligen Ökologischen Jahr. Wenn mehr Manpower nötig wird - wie beim Umzug der Schwäne aus ihrem Winterquartier auf die Alster -, machen an die 10 Helfer aus dem Bezirksamt Nord gerne mit: u.a. MitarbeiterInnen aus der Spielplatz-Kontrolle, aus dem Ordnungs- oder Grünamt.

Rückblick

Erste SchwanenhilfeErste Schwanenhilfe

Sechseinhalb Jahre hat Olaf Nieß´ Ausbildung zum Revierjagdmeister gedauert. Rechtskunde, Naturschutz, Wildkrankheiten, Anatomie, Ernährung und Fischerei gehörten dazu. In drei Jahrzehnten hat der Schwanenvater seine Berufswahl nur selten bereut. „Wenn du am eigentlich freien Samstag drei Mal wegen Tierunfällen durch Freizeitangler alarmiert wirst“, lacht er, „hält sich die Begeisterung in Grenzen.“ Sein Job ist mehr als lustiges Alsterschippern. Bei der Vogelgrippe im Winter hatte er 120 Tiere unter Verschluss. Olav Nieß: „Das war absolut arbeitsintensiv.“ Manchmal wünscht er sich mehr hauptamtliche Kollegen an seiner Seite – und damit noch mehr Zeit für seine eigentliche Arbeit. So würde er gern neue Brutkästen aufstellen, damit die Schwäne und anderes Wasserwild näher an der Alster brüten. Zurück an Land: die Verwaltungsarbeit hat zugenommen, sehr viel Kommunikation läuft über das Internet. Für Interessierte hat Olav Nieß eine Internet-Seite gestrickt: http://www.alsterschwaene.de/.

Zukunft

Bis zum 63sten Lebensjahr hofft der Schwanenvater, seinen Dienst noch ausüben zu können. Olaf Nieß Tochter steht derzeit vor Abitur und Berufswahl. Und dann? Warum soll es in Hamburg nach 350 Jahren nicht auch mal eine „Schwanenmutter“ geben? 

Text und Bilder: Hans Loose